Hoch hinaus und tief hinab - Bergbau auf dem Lüderich
Die Bergbaugeschichte des Lüderichs von den Römern bis in die Neuzeit
Eine Entdeckung von BGV Rhein-Berg e.V.
Was ihr entdecken könnt
Heute führen wir euch auf den Lüderich, dessen Name „der Bleireiche“ bedeutet und der mit seinen 260 Metern die höchste Erhebung an der Kölner Bucht ist. Bis 1978 wurde hier aktiv Bergbau betrieben. Damit war der Lüderich die letzte verbliebene Grube des Bensberger Erzreviers.
Die Entdeckung führt uns auf die Spuren der über 2000 Jahre alten Bergbaugeschichte auf dem Lüderich. Bereits die Römer bauten hier Silber und Blei ab, wie Funde sicher belegen. Sagen nach schürften bereits die Germanen die Schätze des Berges. Das Blut von Bergarbeitern, die bei einem Gottesgericht ihr Leben ließen, sollen dem Wasser des im Tal fließenden Rothenbachs seine rötliche Farbe verliehen haben.
Tatsächlich befindet sich auf der Kuppe des Berges ein eisenzeitlicher Ringwall und beim Bergbau wurden hölzerne Spaten gefunden, die später in vorrömische Zeit datiert wurden und heute im Bergischen Museum in Bensberg aufbewahrt werden.
Teilweise sind die Relikte des Bergbaus auf dem Lüderich noch gut sichtbar, wie die Förderturme des Franziskaschachtes und des Hauptschachtes, ein altes Zechenhaus oder ein riesiges Denkmalkreuz, das an den Lüdericher Bergbau erinnert. Aber auch an anderen, weniger sichtbaren Stellen, wie dem römischen Bergbau oder auf dem Ringwall, findet man die Spuren, wenn man nur etwas genauer hinschaut. Und für den tollen Ausblick, teilweise bis auf den Kölner Dom, lohnt sich der Aufstieg allemal!
Im Inneren des Lüderich verläuft der sogenannte Lüdericher Gangzug - eine über vier Kilometer lange Lagerstätte für Bunt- und Edelmetalle. Sie gilt als bedeutendste ihrer Art im Rheinischen Schiefergebirge.
Der Gangzug besteht aus mehreren Teilbereichen. In vielen dieser Bereiche traten die Erzgänge direkt an der Erdoberfläche zutage. Das erleichterte den Zugang zu den Erzen, da sie bereits an der Oberfläche sichtbar und damit leichter auffindbar waren. Die Erzvorkommen am Lüderich waren besonders ergiebig: Die gesamte Gangzone ist stellenweise bis zu 400 Meter breit, mit mehreren parallel verlaufenden Erzgängen, die jeweils bis zu 40 Meter dick sein konnten. Diese Bedingungen machten den Lüderich zur produktivsten und am längsten genutzten Grube im gesamten Bensberger Erzrevier und darüber hinaus.
Keramikfunde von den Halden sowie Holzgeräte aus alten Schächten und Stollen belegen einen umfassenden hochmittelalterlichen Bergbau im 12. Jahrhundert. Der intensive Bergbau dieser Zeit dürfte vor allem die silberreichen oberflächennahen Bereiche weitgehend ausgebeutet haben und kam deshalb im folgenden Jahrhundert zum Erliegen.
Erst Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Abbau wieder aufgenommen. Mit fortschrittlicher Mechanik konnten nun auch tiefere Gruben entwässert und belüftet werden, was jedoch hohe Investitionen und zahlreiche Fachkräfte erforderte. Am Lüderich entstand offenbar ein größerer Betrieb, der vor allem auf Blei setzte. Schächte und Stollen dieser Zeit wurden noch von Hand mit Schlägel und Eisen bis zu 60 Meter tief in den Berg getrieben. Doch der Betrieb kam bald erneut zum Erliegen.
Ab 1738 versuchte man, mit Schießpulver den Abbau wieder aufzunehmen - mit geringem Erfolg, da ältere Gruben bereits tief unter den Grundwasserspiegel reichten.
Erst die Industrialisierung brachte neuen Aufschwung. Denn nun konnten auch die reichlich vorhandenen Zinkerze verwertet werden. Der moderne Bergbau begann Ende der 1820er Jahre. 1837 führten zwei erfahrene Siegerländer Unternehmer die Kleinbetriebe auf dem Lüderich in einer Gewerkschaft zusammen. Dieses Jahr wird deshalb häufig als eigentliches Gründungsjahr der Grube Lüderich betrachtet.
1846 verkauften die Unternehmer das Bergwerk und ab 1852 wurde es schrittweise von der belgischen „Vieille Montagne“ übernommen, die es dank moderner Technik und neuen Ausbauten zu einem florierenden Erzbergwerk entwickelten.
Während des Nationalsozialismus musste die „Vieille Montagne“ eine Tochtergesellschaft - die „AG des Altenbergs“ - gründen, um den Betrieb fortzusetzen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Förderung durch zahlreiche Zwangsarbeiter nicht nur aufrechterhalten, sondern intensiviert. Wie viele ihr Leben verloren, ist unbekannt.
Auch nach dem Krieg wurde weiter abgebaut. Erst 1978 schloss das Werk als eine der letzten Blei- und Zinkgruben der Bundesrepublik. Zu dieser Zeit erreichte es eine Tiefe von bis zu 450 Metern - mit abnehmenden, aber noch vorhandenen Erzvorkommen.
Praktische Informationen
Die Route führt über unebenen Grund, denkt daher bitte an festes Schuhwerk. Gerade die Anfangsetappe führt etwas steiler hinauf und über mehrere größere Steine. Passt hier bitte auf.
Da der Lüderich mit 260 Metern die höchste Erhebung der Kölner Bucht ist, gibt es auf der Route mehrere Anstiege.
Ein Teil der Entdeckung folgt dem Bergischen Bergbauweg. Wenn ihr gerne etwas länger wandert, dann könnt ihr auch diesen miteinbeziehen. Er informiert an verschiedenen Infotafeln auch über die Bergbaugeschichte.
Bitte beachtet, dass das ehemalige Zechenhaus und die Waschkaue bewohnt und damit Privatgrundstücke sind, die nicht einfach betreten werden dürfen.
Anreise
Wenn ihr mit dem ÖPNV anreist, solltet ihr mit der RB25 bis nach Rösrath-Hoffnungsthal fahren und von dort aus laufen. Mit dem Auto könnt ihr auch direkt zum Hauptschacht der Grube Lüderich fahren. Dort befinden sich Parkmöglichkeiten.
Verpflegung
Bitte bringt euch, falls benötigt, Essen und Trinken mit. Auf dem Gelände des Hauptschachtes befindet sich heute ein Golfclub, der auch über eine Gastronomie verfügt. Hier könnt ihr gut eine Rast auf der Route einlegen. Beachtet aber bitte auf jeden Fall die Öffnungszeiten.