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Römischer Bergbau auf dem Lüderich


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Alte Sagen vom "Bergbau der Heidenzeit" und Erzählungen von römischen Münzfunden haben schon im 19. Jahrhundert Mutmaßungen über einen römerzeitlichen Bergbau auf dem Lüderich befeuert. Im August 1997 konnte dieser tatsächlich nachgewiesen werden.

Alte Sagen vom „Bergbau der Heidenzeit“ und Erzählungen von römischen Münzfunden haben schon im 19. Jahrhundert Mutmaßungen über einen römerzeitlichen Bergbau auf dem Lüderich befeuert. Im August 1997 konnte dieser dank römischer Keramikfunde tatsächlich nachgewiesen werden. Daraufhin veranlasste weitere Untersuchungen förderten zahlreiche Funde zutage, die einen kurzzeitigen, aber dennoch sehr umfassenden römischen Bergbau auf dem Lüderich in den Jahren um Christi Geburt belegen.

Der archäologische Fundplatz erstreckt sich über den mittleren Bereich des Lüderich-Gangzugs - eine Lagerstätte für Bunt- und Edelmetalle. Abgesucht wurde das Wiesengelände südlich des Sommerschachts bis an die angrenzenden Waldgebiete und in den Norden, wo eine tiefe Mulde im Gelände vermutlich den Überrest eines alten Tagebaus darstellt. Inwieweit diese „Pinge“ noch aus römischer Zeit oder erst aus dem Mittelalter stammt, konnte bislang noch nicht geklärt werden.

Bei den Ausgrabungen auf dem Wiesengelände wurde ein gut sechs Meter tiefer Schacht untersucht, der den Erzgang aber nicht getroffen hatte und anschließend mit römischen Siedlungs- und Verhüttungsabfällen verfüllt worden war. Weitere Schächte im näheren Umfeld konnten nicht vollständig ausgegraben werden. Etwas weiter östlich wurde ein römischer Verhüttungsplatz untersucht: Ein Ort, an dem Rohstoffe wie Erze durch Erhitzen (Verhüttung) verarbeitet werden, um daraus Metalle zu gewinnen. Dabei werden unerwünschte Bestandteile entfernt und das Metall wird in reiner Form gewonnen.

Legionäre als Bergleute
Die charakteristischen Abfälle belegen hier die Gewinnung von Blei und Silber. Damit konnte erstmals die frühe Silbergewinnung im Bergischen Land sicher archäologisch nachgewiesen werden.
Der Fundplatz lieferte eine verblüffende Menge an römischen Keramikfunden, die eine für diese Zeit eher ungewöhnliche „Wegwerfkultur“ erkennen lassen. Zahlreiche Amphoren für Wein, Öl und mediterrane Fischsaucen sowie Reibschalen für Küchenkräuter spiegeln großen Wohlstand, aber auch eindeutig mediterrane Essgewohnheiten der „Bergleute“ wider. Dies ist sonst nur aus den römischen Militärlagern dieser Zeit bekannt, weswegen angenommen werden kann, dass der Bergbau hier von römischen Legionären betrieben wurde. Die Bodenschätze in neu eroberten Gebieten gehörten grundsätzlich dem römischen Kaiser.
Die Gewinnungsarbeiten fanden wahrscheinlich nur saisonal in den Sommermonaten statt. Trotz der großen Mengen an Siedlungsabfällen konnten keine Gebäudestandorte ermittelt werden. Der römische Bergbau wurde anscheinend direkt oder kurz nach der verheerenden römischen Niederlage in der sogenannten Varusschlacht eingestellt. Die römische Armee zog sich in der Folge der Schlacht hinter die Rheingrenze zurück.
Neben Keramikscheiben wurden auch Werkzeuge im weiteren Umfeld des Gangzugs entdeckt. Etwa aus dem Bereich des Südschachtes sollen über 30 alte Werkzeuge aus Holz, Leder und Eisen stammen, die heute im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg aufbewahrt werden. Moderne Verfahren erbrachten für diese Geräte überwiegend hochmittelalterliche Datierungen, eine eiserne Keilhaue und ein Fäustel können aber dem römischen Bergbau zugeordnet werden. Zwei hölzerne Spaten sollen sogar aus der vorrömischen Eisenzeit stammen.

(Peter Schönfeld, BGV Rhein-Berg, 2025 /überarbeitete Version des Eintrags zum Objekt in der Fachanwendung KuLaDig; Lea Recken/ LVR-Abteilung Digitales Kulturerbe, 2025)


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