Entdeckung zu Fuß

Veni, vidi vicum! - Ich kam und sah ein Dorf!

Überreste eines römischen Straßendorfes und Matronenheiligtums bei Nettersheim.

Eine Entdeckung von Lea Recken


  • Dauer
    Dauer
    2h 10min
  • Strecke
    Strecke
    4,5km
  • Eignung
    Eignung
    familienfreundlich
  • Themen
    Themen
    Architektur
    Glaube und Religion
    Denkmal
  • Epochen
    Epochen
    Antike
    Römer und Germanen
  • Lizenz
    copyright
    CC BY 4.0

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Was ihr entdecken könnt

Einst führte eine römische Straße von Köln, über Trier, nach Lyon. Sie gehörte zu dem Straßennetz, das die wichtigen Städte des römischen Reiches miteinander verband und neben dem römischen Militär auch von Händler*innen, Reisenden oder Landwirt*innen benutzt wurde. Die Straße, die von Köln bis nach Trier führte, war Teil des heute als Via Agrippa bezeichneten Wegenetztes. Im Gebiet Nordrheinwestfalens verlief sie von Köln nach Zülpich, von wo aus sie nach Süden weiter Richtung Eifel führte. Dort teilte sie sich oft in mehrere Trassen, um das bergige Gelände besser zu durchqueren.

Entlang der Via Agrippa bildeten sich einige Siedlungen, so auch bei Nettersheim und Mermagen. Hier, wo die ehemalige Straße im Gelände noch gut erkennbar ist, wurden die Überreste eines römischen „Vicus“ - Latein für Dorf - gefunden. Vermutlich handelt es sich bei diesem Dorf um das auf zwei antiken Straßenkarten verzeichnete Vicus Marcomagus.
Vici waren oft wichtige wirtschaftliche, soziale, kulturelle und auch religiöse Orte für ihre Umgebung. Es ist davon auszugehen, dass Marcomagus das städtische Zentrum des oberen Urfttals gebildet hat. Die Siedlung geht in ihren Ursprüngen auf das 1. Jahrhundert nach Christus zurück und hatte bis zum frühen 5. Jahrhundert Bestand, wobei ein Großteil der Siedlung vermutlich bei einer militärischen Auseinandersetzung um 275 nach Christus mit dem Einfall der Franken zerstört wurde. Darauf lassen Waffenfunde sowie beschlagene Sandalen, wie sie von römischen Legionären getragen wurden, schließen.
Der Vicus erstreckte sich von einer Erhöhung im Norden, der „Görresburg“, bis auf die gegenüberliegende Talseite, wo heute der Nettersheimer Gemeindewald beginnt. Auf etwa 500 Metern auf beiden Seiten der Via Agrippa befand sich eine dicht bebaute Siedlung, die durch die Urft in zwei Teile getrennt war. Bereits 1965 waren in Flussnähe die Bruchstücke eines Meilensteins gefunden worden, die Baumaßnahmen an der Straße um 250 bezeugen. Außerdem deuten an Altären gefundene Inschriften darauf hin, dass seit dem 2. Jahrhundert Angehörige des römischen Militärs, sogenannte Benefiziarier - Unteroffiziere des niedergermanischen Heeres - dort stationiert waren. Diese kontrollierten die Straße und erhoben möglicherweise auch Zölle.

Heute ist die ehemalige Straßensiedlung Teil des 2014 eröffneten Archäologischen Landschaftsparks Nettersheim. In das Konzept des Parks sind die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen des Straßendorfes eingeflossen und ein Rundweg mit Infotafeln führt euch durch die Geschichte von Marcomagus.
Rekonstruierte Grundrisse zeigen, wo sich einige Bauten der Siedlung befunden haben. Auch die Gebäude des zum Vicus gehörenden Matronenheiligtums „Görresburg“ wurden rekonstruiert und können besichtigt werden.

Wer mehr über die Ausgrabungen rund um den Vicus erfahren möchte, kann zudem im Naturzentrum Eifel eine Ausstellung zu den Grabungsfunden besuchen.

Praktische Informationen

Anreise und Infrastruktur:
Der Vicus und damit auch das Matronenheiligtum, beziehungsweise der Archäologische Landschaftspark sind jederzeit frei zugänglich. Allerdings ist keine direkte Anfahrt mit dem Auto möglich. Mit dem Auto kann lediglich bis in die Nähe der Sehenswürdigkeiten gefahren werden, der direkte Zugang ist nur zu Fuß möglich.

Wer noch gerne die Ausstellung im Naturzentrum Eifel besuchen möchte, kann direkt dort parken und die rund 1,5 Kilometer bis zum Matronenheiligtum zu Fuß zurücklegen. Der Weg ist ausgeschildert. Die Adresse lautet: Urftstraße 2-4, 53947 Nettersheim. Genauere Informationen und Öffnungszeiten können auf der Website des Naturzentrums abgerufen werden: Naturzentrum Eifel

Alternativ besteht ebenfalls die Möglichkeit auf ausgezeichneten Parkplätzen in Nettersheim oder Marmagen zu parken.

Wer mit dem ÖPNV anreisen möchte, schaut nach Verbindungen zum Nettersheimer Bahnhof und startet die Entdeckung von dort aus.

Inklusive Infos:
Die Route und die Sehenswürdigkeiten sind sehr gut ausgeschildert. Die Tour ist für Spaziergänger*innen und Familien gut geeignet, da der Großteil der Route befestigten Wegen folgt. Lediglich der Abschnitt zum Matronenheiligtum führt über Geröll und der Weg zum Vicus über Rasenfläche. Wer allerdings nicht direkt an den rekonstruierten Streifenhäusern vorbei möchte, kann die Häuser auch von der befestigten Straße aus betrachten und einen kleinen Umweg laufen. Je nach Wetter sollte wasserfestes Schuhwerk gewählt werden. An den Wegen stehen einige Bänke, an denen gerastet werden kann.

Es gibt kein gastronomisches Angebot innerhalb des Landschaftsparks, denkt daher daran, euch selbst die benötigte Verpflegung mitzubringen. In Nettersheim könnt ihr in einigen Cafés eine Pause machen.


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