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Tempel für die Aufanischen Matronen auf der Görresburg


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Bei Ausgrabungen im Bereich der „Görresburg", einer Bergzunge zwischen Schleifbach und Urft in der Nähe von Nettersheim, konnte im Jahre 1919 ein trapezförmiger Tempelbezirk mit mehreren ziegelgedeckten Steingebäuden freigelegt werden.

Um 1900 wurden bei Feldarbeiten südwestlich von Nettersheim auf der sogenannten „Görresburg“ - einem etwa 30 Meter über das Tal ragenden Hügel - mehrere gut erhaltene römische Weihesteine entdeckt. Die Originale befinden sich heute im LVR-Landesmuseum in Bonn.
1909 wurde bei Ausgrabungen schließlich ein trapezförmiger Tempelbezirk freigelegt, in dem zudem mehrere ziegelgedeckte Gebäude gefunden wurden. Der Tempel war ein Heiligtum für die sogenannten Aufanischen Matronen, keltisch-römische Muttergottheiten, die hier zwischen dem 1. Jahrhundert und um 400 nach Christus verehrt wurden und charakteristisch für das südliche Niedergermanien waren. Ursprünglich befand sich der Tempelbezirk direkt an der heute als Via Agrippa bekannten Fernstraße, die von Köln nach Trier führte.
Das Matronenheiligtum war der nördlichste Teil einer römischen Straßensiedlung, der Vicus Marcomagus, der sich entlang der Via Agrippa bis ins Urftal erstreckte.

Bei der Freilegung des Matronenheiligtums wurde ein noch etwa 0,5 Meter hohes Mauerwerk gefunden, das jedoch bereits in den 1930er Jahren fast vollständig verschwunden war. Im Verlaufe der beiden Weltkriege ging das Bodendenkmal fast vollständig verloren und es geriet zunächst in Vergessenheit. Nicht zuletzt deshalb, da auf dessen Fundgebiet eine Streuobstwiese entstand.

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Gebiet erneut untersucht und Teile der Anlage rekonstruiert. Die heute sichtbaren Grundrisse gehen weitestgehend auf eine Rekonstruktion des Tempels zwischen 1976 und 1977 zurück. Das Matronenheiligtum hat einen trapezförmigen und von einer Mauer umfassten Grundriss. In dessen Inneren befanden sich drei fast quadratische und nach Osten ausgerichtete Gebäude, wobei der Grundriss des zentralen und größten Tempels etwa sechs mal sechs Meter misst. Der Haupteingang zum Heiligtum lag ebenfalls im Osten, im Südwesten gab es einen weiteren Zugang.

Im Umfeld des Haupttempels wurden zahlreiche Weihgaben zu Ehren der Aufanischen Matronen entdeckt. Heute sind vor dem Tempel Abgüsse von drei Weihesteinen aufgestellt. Alle Darstellungen zeigen die für Niedergermanien charakteristische Dreiergruppe der Matronen und lassen sich auf das frühe 3. Jahrhundert nach Christus datieren. Die Matronen dienten dem Schutz der Familie, des Haushaltes und der Fruchtbarkeit und wurden zumeist von den vor Ort stationierten Legionären verehrt. Weihesteine wurden in der Regel gestiftet und auf vielen von ihnen - so auch bei den der „Görresburg“- finden sich die Worte „Votum Solvit Libens Merito“, oft abgekürzt mit V S L M. Das bedeutet etwa: „Er hat sein Gelübde gern und nach Gebühr eingelöst“.

2010 konnten bei Nachgrabungen im Rahmen eines zwischen 2009 und 2013 angelegten Kooperationsprojektes, an dem unter anderem das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege und das LVR-Landesmuseum in Bonn beteiligt waren, neue Erkenntnisse über das Heiligtum gewonnen werden. Funde deuten darauf hin, dass der Tempel auf einem Brandopferplatz errichtet wurde, der vermutlich aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts stammt und etwa Mitte des 2. Jahrhunderts aufgegeben und überbaut wurde. Etwa zur selben Zeit wurde der Tempelbezirk zudem nach Süden hin erweitert.

(Lea Recken, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)


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