Römischer Vicus und Matronenheiligtum „Görresburg“
Was ihr entdecken könnt
An der Römerstraße von Köln nach Trier liegen an einem Übergang über die Urft in Nettersheim eine neu entdeckte Siedlung und das bekannte Matronenheiligtum "Görresburg". Die neuen Erkenntnisse der Ausgrabungen fließen in die Gestaltung des „Archäologischen Landschaftsparks Nettersheim“ ein.
In der Nähe von Nettersheim befand sich vermutlich vom 1. bis etwa zum frühen 5. Jahrhundert nach Christi ein römischer Vicus - lateinisch für Siedlung. Vermutlich handelt es sich um das auf zwei antiken Straßenkarten verzeichnete Marcomagus.
Das Dorf lag an einem Abschnitt der heute als Via Agrippa bekannten römischen Fernstraße, die von Köln nach Trier führte. Der Teilabschnitt der Via Agrippa bei Nettersheim ist noch gut im Gelände erkennbar und führte von der südwestlich unterhalb Nettersheim gelegenen „Görresburg“ hinunter in das Tal, überquerte die Urft und verlief weiter Richtung Trier.
Im Abschnitt zwischen der „Görresburg“ und der Urft ersteckte sich auf etwa 500 Metern das heute durch einen Bahndamm zweigeteilte römische Straßendorf. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden beim Bau der Eifelbahn in der Nähe der Urft erste Untersuchungen des Geländes vorgenommen. Bei Feldarbeiten bei der „Görresburg“ - einem etwa 30 Meter über das Tal ragenden Hügel - wurden um 1900 schließlich römische Weihesteine entdeckt. 1909 wurde ein den Aufanischen Matronen - keltisch-römischen Muttergottheiten - gewidmeter Tempelbezirk freigelegt. Allerdings geriet der Fund zunächst in Vergessenheit, unter anderem da das Bodendenkmal während der beiden Weltkriege fast vollständig verloren ging und sich dort schließlich eine Streuobstwiese befand.
Nach einer geophysikalischen Untersuchung Anfang der 2000er, bei der der oberflächennahe Untergrund mit messtechnisch-physikalischen Methoden erkundet wurde, konnten mehrere Gebäudegrundrisse erkannt werden. Daraufhin wurde das Areal zwischen 2009 und 2013 systematisch untersucht. Im Tal, durch das die etwa 8 bis 12 Meter breite Fernstraße führte, wurde eine dichte Bebauung auf beiden Straßenseiten festgestellt. Die zentralen Siedlungsgebäude befanden sich vermutlich im südlichen, nahe am Fluss gelegenen und als „Steinrütsch“ bezeichneten Siedlungsabschnitt. Während sich im als „Alte Gasse“ genannten Hangbereich die Wohngebäude befanden. Das Matronenheiligtum bildete im Norden den Endpunkt der Siedlung.
Die Siedlung war etwa 2 bis 3 Hektar groß und geht bis auf das 1. Jahrhundert zurück. Teile des Dorfes wurden vermutlich während des Bataveraufstandes - eines Aufstandes der germanischen Bataver und weiterer Stämme gegen die römische Herrschaft - um 69/70 zerstört. Allerdings begann nach diesem die eigentliche Blütezeit des Vicus. Im 2. Jahrhundert wurden sogenannte Streifenhäuser errichtet: lange, rechteckige, auf Sockeln erbaute Häuser mit Fachwerkwänden und mit roten Ziegeln, selten auch mit Steinplatten oder Schiefern gedeckten Dächern.
Das Dorf wurde schließlich bei einer Brandkatastrophe, wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Einfall der Franken 275, zerstört. Danach wurden die meisten Bauten nicht wiedererrichtet. Allerdings wurde in einigen Ruinen später Eisenerz verhüttet.
Zudem wurden die Überreste eines Kastells an der Urft gefunden, das erst nach der Zerstörung des Dorfes dort errichtet wurde und vermutlich bis Anfang des 5. Jahrhunderts den Flussübergang kontrollierte.
Heute sind auf einigen Fundamenten teilweise die Häusergrundrisse als niedrige Mauern rekonstruiert, um die Siedlung sichtbar zu machen. 2014 wurde der Archäologische Landschaftspark Nettersheim eröffnet, der in verschiedenen Stationen die Überreste des Vicus präsentiert. Zudem gibt es im Naturzentrum Eifel eine Ausstellung, die Einblicke in die Grabungsfunde bietet.
(Lea Recken, Digitales Kulturerbe LVR 2026)
Das Dorf lag an einem Abschnitt der heute als Via Agrippa bekannten römischen Fernstraße, die von Köln nach Trier führte. Der Teilabschnitt der Via Agrippa bei Nettersheim ist noch gut im Gelände erkennbar und führte von der südwestlich unterhalb Nettersheim gelegenen „Görresburg“ hinunter in das Tal, überquerte die Urft und verlief weiter Richtung Trier.
Im Abschnitt zwischen der „Görresburg“ und der Urft ersteckte sich auf etwa 500 Metern das heute durch einen Bahndamm zweigeteilte römische Straßendorf. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden beim Bau der Eifelbahn in der Nähe der Urft erste Untersuchungen des Geländes vorgenommen. Bei Feldarbeiten bei der „Görresburg“ - einem etwa 30 Meter über das Tal ragenden Hügel - wurden um 1900 schließlich römische Weihesteine entdeckt. 1909 wurde ein den Aufanischen Matronen - keltisch-römischen Muttergottheiten - gewidmeter Tempelbezirk freigelegt. Allerdings geriet der Fund zunächst in Vergessenheit, unter anderem da das Bodendenkmal während der beiden Weltkriege fast vollständig verloren ging und sich dort schließlich eine Streuobstwiese befand.
Nach einer geophysikalischen Untersuchung Anfang der 2000er, bei der der oberflächennahe Untergrund mit messtechnisch-physikalischen Methoden erkundet wurde, konnten mehrere Gebäudegrundrisse erkannt werden. Daraufhin wurde das Areal zwischen 2009 und 2013 systematisch untersucht. Im Tal, durch das die etwa 8 bis 12 Meter breite Fernstraße führte, wurde eine dichte Bebauung auf beiden Straßenseiten festgestellt. Die zentralen Siedlungsgebäude befanden sich vermutlich im südlichen, nahe am Fluss gelegenen und als „Steinrütsch“ bezeichneten Siedlungsabschnitt. Während sich im als „Alte Gasse“ genannten Hangbereich die Wohngebäude befanden. Das Matronenheiligtum bildete im Norden den Endpunkt der Siedlung.
Die Siedlung war etwa 2 bis 3 Hektar groß und geht bis auf das 1. Jahrhundert zurück. Teile des Dorfes wurden vermutlich während des Bataveraufstandes - eines Aufstandes der germanischen Bataver und weiterer Stämme gegen die römische Herrschaft - um 69/70 zerstört. Allerdings begann nach diesem die eigentliche Blütezeit des Vicus. Im 2. Jahrhundert wurden sogenannte Streifenhäuser errichtet: lange, rechteckige, auf Sockeln erbaute Häuser mit Fachwerkwänden und mit roten Ziegeln, selten auch mit Steinplatten oder Schiefern gedeckten Dächern.
Das Dorf wurde schließlich bei einer Brandkatastrophe, wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Einfall der Franken 275, zerstört. Danach wurden die meisten Bauten nicht wiedererrichtet. Allerdings wurde in einigen Ruinen später Eisenerz verhüttet.
Zudem wurden die Überreste eines Kastells an der Urft gefunden, das erst nach der Zerstörung des Dorfes dort errichtet wurde und vermutlich bis Anfang des 5. Jahrhunderts den Flussübergang kontrollierte.
Heute sind auf einigen Fundamenten teilweise die Häusergrundrisse als niedrige Mauern rekonstruiert, um die Siedlung sichtbar zu machen. 2014 wurde der Archäologische Landschaftspark Nettersheim eröffnet, der in verschiedenen Stationen die Überreste des Vicus präsentiert. Zudem gibt es im Naturzentrum Eifel eine Ausstellung, die Einblicke in die Grabungsfunde bietet.
(Lea Recken, Digitales Kulturerbe LVR 2026)