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Hexenturm am Michaelsberg


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An der Bergstraße, welche zur Abtei Michaelsberg hinaufführt, befindet sich der noch heute erhaltene, so genannte "Hexenturm". Er diente als Wachturm der ehemaligen Befestigung und war an die Stadtmauer angebaut.

Wer die Bergstraße hinaufgeht, die von der Siegburger Innenstadt zur ehrwürdigen Abtei auf dem Michaelsberg führt, begegnet auf halber Höhe einem Mauerrest, dem man seine bewegte Geschichte kaum ansieht. Beim Rundgang um den Michaelsberg kommt man am Hexenturm vorbei, einem Wachturm der alten Stadtmauer. Der Name klingt nach Schauermärchen und dunkler Vergangenheit und er ist es auch, der diesen Bau zu einem Ort der Siegburger Stadtgeschichte gemacht hat. Zwischen Legende und historischer Wahrheit liegt hier jedoch eine überraschend aufschlussreiche Geschichte.

Der Bau der Siegburger Stadtmauer wurde im 13. Jahrhundert begonnen. Der Hexenturm diente als Wachturm der ehemaligen Befestigung und war an die Stadtmauer angebaut. Als Teil dieses mittelalterlichen Verteidigungsgürtels sicherte er den Aufgang zum Michaelsberg und damit den Zugang zur Abtei, dem geistlichen und politischen Zentrum der Stadt. Zwischen dem 17. Juli 1636 und dem 19. Juli 1638 wurden in Siegburg mindestens 38 Menschen der angeblichen Hexerei schuldig befunden und umgebracht. In Siegburg setzte sich 1636, gut 30 Jahre nach dem Beginn heftiger Verfolgungen in Köln, mit dem Prozess gegen Kunigunde Meurer der unheilvolle Mechanismus in Gang. Meurer wurde im September 1636 als „Hexe“ auf dem Scheiterhaufen hingerichtet und war eines der ersten Opfer einer zwei Jahre währenden Schreckenszeit. An den Hexenturm knüpft diese Geschichte jedoch nur mittelbar an.

In düsteren Erzählungen über Hexenverfolgungen im Mittelalter wurde aus dem halbrunden Bau der „Hexenturm“. Der halbkreisförmige Grundriss ist typisch für Mauertürme des Hochmittelalters im Rheinland: Die zur Stadt hin offene Rückseite ermöglichte im Verteidigungsfall eine rasche Kontrolle durch die eigene Besatzung. Das erhaltene Mauerwerk besteht aus Bruchsteinen und Basalttuff, wie es auch für andere Teile der Siegburger Stadtbefestigung verwendet wurde. Am Michaelsberg findet man neben dem Hexenturm noch weitere mittelalterliche Anlagen: teilweise erhaltene Festungsmauern, einen halbrunden Turm im Rosengarten und das Johannistürmchen. Gemeinsam zeugen sie von der einstigen Wehrhaftigkeit des Berghangs.

Der Hexenturm ist eines der wenigen noch sichtbaren Überreste der mittelalterlichen Stadtbefestigung Siegburgs und damit ein wichtiger Anker für das historische Gedächtnis der Stadt. Als Teil der Stadtmauer, die den Michaelsberg sicherte, steht er in direktem Zusammenhang mit der Abtei, die Siegburg über Jahrhunderte geprägt hat. Darüber hinaus ist er ein Erinnerungsort für ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte. In der Kreisstadt des 21. Jahrhunderts erinnert nur noch wenig an die grausame Epoche inmitten der Wirren des Dreißigjährigen Kriege: der Hexenkeller im Stadtmuseum und der Straßenname „An der Schlade“, einst Wohnsitz des Henkers am Galgenberg. Der Hexenturm ergänzt dieses Ensemble als baulicher Erinnerungsort, auch wenn die Verfolgungen selbst sich an anderen Orten der Stadt abspielten.
Die Geschichte des Namens ist selbst eine Geschichte über Erinnerung und literarische Verdichtung. Der Hexenturm erhielt seinen Namen erst im 19. Jahrhundert. Der Heimatdichter Wilhelm Herchenbach verlegte die Hexenprozesse in seinen literarischen Werken hierhin. Tatsächlich haben an diesem Ort aber nie Hexenprozesse stattgefunden.

(Stadtbetriebe Siegburg AöR, Fachbereich Tourismusförderung, 2026)


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