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Fachwerkhaus zum Tannenbaum


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Was ihr entdecken könnt

In der Holzgasse 45 befindet sich ein Juwel bürgerlicher Baukultur: Der Kern des Hauses stammt noch aus dem 17. Jahrhundert und ist heute ein Beispiel für die andernorts oft verloren gegangenen städtischen Fachwerkhöfe.

In der Holzgasse 45, eingebettet in das historische Zentrum Siegburgs, steht ein Fachwerkbau, der durch seine prachtvolle Gestalt und die Liebe zum Detail auszeichnet. Das „Haus zum Tannenbaum“ ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele für die gehobene bürgerliche Wohnkultur vergangener Jahrhunderte in der Siegburger Innenstadt.
Die Geschichte des Grundstücks lässt sich bis in das späte Mittelalter zurückverfolgen, doch das heutige Erscheinungsbild des Hauses stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert. Nach den verheerenden Stadtbränden, die Siegburg im Laufe der Geschichte heimsuchten, wurde das Gebäude im Jahr 1706 in seiner jetzigen Form neu errichtet. Über Generationen hinweg diente das Haus als Wohn- und Geschäftshaus angesehener Siegburger Familien. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert beherbergte es verschiedene Gewerbebetriebe, bevor es in den 1970er Jahren einer umfassenden und denkmalgerechten Sanierung unterzogen wurde. Diese Rettung bewahrte das Objekt vor dem Verfall und machte es wieder zu einem der repräsentativsten Profanbauten der Stadt.

Das Haus zum Tannenbaum ist ein klassischer rheinischer Fachwerkbau der Barockzeit. Besonders auffällig ist die kräftige Balkenstruktur, die durch geschwungene Streben und sogenannte „Mann-Figuren“, eine spezielle Form der Eckaussteifung, kunstvoll gegliedert ist. Das Gebäude erstreckt sich über drei Geschosse, wobei die oberen Stockwerke leicht vorkragen, was typisch für die Bauweise jener Epoche war, um die Wohnfläche zu vergrößern und das Gebälk vor Regenwasser zu schützen. Das steile Satteldach mit seinen kleinen Gauben schließt den Baukörper harmonisch ab. Die sorgfältig restaurierten Gefache und die dunklen Holzpfeiler unterstreichen die handwerkliche Meisterschaft der damaligen Zimmerleute.
Innerhalb der rheinischen Denkmallandschaft nimmt das Haus zum Tannenbaum eine besondere Stellung ein, da es den Typus des städtischen Fachwerkhofes verkörpert, der in vielen anderen Städten des Rheinlands durch Kriegseinwirkungen oder Modernisierungen verloren gegangen ist. Es dokumentiert den wirtschaftlichen Aufschwung Siegburgs nach dem Dreißigjährigen Krieg und das Selbstbewusstsein des Bürgertums gegenüber der landesherrlichen und kirchlichen Macht.

Der ungewöhnliche Name „Haus zum Tannenbaum“ rührt nicht etwa von einer forstwirtschaftlichen Nutzung her, sondern von der im Mittelalter und der frühen Neuzeit üblichen Sitte, Häuser mit Namen statt Nummern zu versehen. Oft dienten markante Hausschilder oder Schnitzereien als Orientierungshilfe für Postboten und Besucher. Eine Besonderheit des Hauses ist die enge räumliche Verbindung zur Nachbarschaft: In früheren Zeiten galt der „Tannenbaum“ als Treffpunkt für Neuigkeiten. Es heißt, dass kein wichtiges Ereignis in der Stadt unbemerkt blieb, wenn die Bewohner des Hauses am Fenster lehnten - ein früher Vorläufer der sozialen Netzwerke, basierend auf Neugier und guter Nachbarschaft.

(Stadtbetriebe Siegburg AöR, Fachbereich Tourismusförderung, 2026)


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