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Denkmal des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten auf dem jüdischen Friedhof Bocklemünd
Was ihr entdecken könnt
1934 wurde am Ende der zentralen Sichtachse auf dem älteren Teil des jüdischen Friedhofs Bocklemünd ein dreieckiger Gedenkstein für die auf deutscher Seite gefallenen jüdischen Soldaten des Ersten Weltkriegs aufgestellt.
Der Stein wurde von Robert Stern (1885-1934), dem Architekten der 1930 eingeweihten Friedhofsbauten, entworfen. Er ist dreieckig und scheint aus mehreren, einzeln gegossenen Schichten zu bestehen. In der unteren Hälfte befindet sich die kurze, in großen Lettern eingemeißelte Inschrift:
Das Denkmal befindet sich am Ende der zentralen Sichtachse hinter der Friedhofshalle auf dem älteren Teil des jüdischen Friedhofs. Mehrere Stufen führen in zwei Etappen zum Gedenkstein. Ihm unmittelbar gegenüber wurde 2020 die Stele für die jüdischen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs errichtet. Das Mahnmal überdauerte die NS-Zeit sowie den Zweiten Weltkrieg.
Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten
Mit 55.000 Mitgliedern in 500 Ortsgruppen war der 1919 gegründete Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) die größte jüdische Vereinigung der Weimarer Republik. Im Ersten Weltkrieg hatten etwa 100.000 jüdische Soldaten auf deutscher Seite gekämpft. 12.000 von ihnen waren dabei ums Leben gekommen. 150 erhielten das Eiserne Kreuz erster Klasse.
Viele jüdische Familien, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bereits seit mehreren Generationen im heutigen Deutschland lebten, bezeichneten sich als Deutsche jüdischen Glaubens. In ihrer Selbstidentifizierung unterschieden sie sich also lediglich auf religiöser Ebene von der Mehrheitsgesellschaft und waren dementsprechend oft patriotisch eingestellt.
Dies erklärt den verhältnismäßig hohen Anteil deutscher jüdischer Soldaten, was antisemitisch eingestellte Personen und Institutionen jedoch nicht davon abhielt, jüdische Männer als „Drückeberger“ zu diffamieren. Obwohl jüdischen Menschen seit der Gleichstellung 1871 formal alle Berufe offenstanden, blieb es ihnen in der Praxis oftmals verwehrt, in hohe staatliche oder militärische Ämter aufzusteigen. Aus diesem Grund war der Anteil jüdischer Offiziere im Ersten Weltkrieg gering: Zu Beginn des Krieges gab es lediglich einen jüdischen Offizier, bis Oktober 1914 erhöhte sich die Zahl aber auf 150 in allen Truppengattungen - angesichts der zahlreichen jüdischen Soldaten insgesamt ein noch immer recht geringer Anteil.
Ebenso wie andere Vereine stellte sich auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten dem zunehmend lauter werdenden Antisemitismus auf struktureller und gesellschaftlicher Ebene entgegen.
Die Kölner Ortsgruppe des Reichsbundes errichtete noch 1934 das Denkmal auf dem Friedhof Bocklemünd. 3.000 Personen nahmen an der Enthüllung teil. 1936 wurden dem Bund alle politischen Aktivitäten untersagt.
(Antonia Frinken, LVR-Abteilung Digitales Kulturerbe, 2026)
Internet
de.wikipedia.org: Abschnitt zum Lapidarium und Denkmal des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten im Eintrag zum jüdischen Friedhof Bocklemünd (aufgerufen: 31.03.2026)
de.wikipedia.org: Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (aufgerufen: 31.03.2026)
Unseren Gefallenen
Reichsbund jüd. Frontsoldaten
Reichsbund jüd. Frontsoldaten
Das Denkmal befindet sich am Ende der zentralen Sichtachse hinter der Friedhofshalle auf dem älteren Teil des jüdischen Friedhofs. Mehrere Stufen führen in zwei Etappen zum Gedenkstein. Ihm unmittelbar gegenüber wurde 2020 die Stele für die jüdischen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs errichtet. Das Mahnmal überdauerte die NS-Zeit sowie den Zweiten Weltkrieg.
Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten
Mit 55.000 Mitgliedern in 500 Ortsgruppen war der 1919 gegründete Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) die größte jüdische Vereinigung der Weimarer Republik. Im Ersten Weltkrieg hatten etwa 100.000 jüdische Soldaten auf deutscher Seite gekämpft. 12.000 von ihnen waren dabei ums Leben gekommen. 150 erhielten das Eiserne Kreuz erster Klasse.
Viele jüdische Familien, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bereits seit mehreren Generationen im heutigen Deutschland lebten, bezeichneten sich als Deutsche jüdischen Glaubens. In ihrer Selbstidentifizierung unterschieden sie sich also lediglich auf religiöser Ebene von der Mehrheitsgesellschaft und waren dementsprechend oft patriotisch eingestellt.
Dies erklärt den verhältnismäßig hohen Anteil deutscher jüdischer Soldaten, was antisemitisch eingestellte Personen und Institutionen jedoch nicht davon abhielt, jüdische Männer als „Drückeberger“ zu diffamieren. Obwohl jüdischen Menschen seit der Gleichstellung 1871 formal alle Berufe offenstanden, blieb es ihnen in der Praxis oftmals verwehrt, in hohe staatliche oder militärische Ämter aufzusteigen. Aus diesem Grund war der Anteil jüdischer Offiziere im Ersten Weltkrieg gering: Zu Beginn des Krieges gab es lediglich einen jüdischen Offizier, bis Oktober 1914 erhöhte sich die Zahl aber auf 150 in allen Truppengattungen - angesichts der zahlreichen jüdischen Soldaten insgesamt ein noch immer recht geringer Anteil.
Ebenso wie andere Vereine stellte sich auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten dem zunehmend lauter werdenden Antisemitismus auf struktureller und gesellschaftlicher Ebene entgegen.
Die Kölner Ortsgruppe des Reichsbundes errichtete noch 1934 das Denkmal auf dem Friedhof Bocklemünd. 3.000 Personen nahmen an der Enthüllung teil. 1936 wurden dem Bund alle politischen Aktivitäten untersagt.
(Antonia Frinken, LVR-Abteilung Digitales Kulturerbe, 2026)
Internet
de.wikipedia.org: Abschnitt zum Lapidarium und Denkmal des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten im Eintrag zum jüdischen Friedhof Bocklemünd (aufgerufen: 31.03.2026)
de.wikipedia.org: Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (aufgerufen: 31.03.2026)