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Oberer Stollen und alter Zechenplatz der Grube Castor


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In der heutigen Ortschaft Kastor liegt der Obere Stollen der im 19. Jahrhundert gegründeten Grube Castor in der heutigen Gemeinde Engelskirchen.

Etwa 400 Meter hangaufwärts von der heutigen Ortschaft Kastor und dem sich dort befindenden Obersteigerhaus liegt der „Obere Stollen“ der Grube Castor im „Wester Siefen“. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden hier aktiv Blei und Zink gefördert.

Vor dem Stollenmundloch des „Oberen Stollen“ befindet sich auf einer einplanierten Halde der ältere Zechenplatz der Grube mit den zugehörigen Gebäuden, die einen besonderen Eindruck von einem kleinen bergischen Grubenbetrieb aus der Mitte des 19.Jahrhunderts zeigen.
Das Mundloch befindet sich am nördlichen Ende des Zechenplatzes, auf privatem Gelände am Waldrand und ist nur in den Wintermonaten vom benachbarten Weg aus sichtbar. Es ist bis auf kleine Öffnungen für Fledermäuse und Amphibien zugemauert.

Der königliche preußische Bergrat Emil Buff vermerkte 1882, dass der Betrieb 1853 aufgenommen wurde, indem ein bereits existierender Stollen weiter ausgebaut wurde. Der Verlauf der abgebauten Lagerstätte - des Castorgangs - war durch eine Reihe von Pingen - Einbruchstrichtern - gut erkennbar. Allerdings war das Erzband in diesem stellen nicht sonderlich groß und verlief sich Richtung Westen sogar vollständig. Auch tiefer unter der Erde stieß man 15 Meter über der Stollensohle überall auf alte Hohlräume.

Auf den frühen Plänen der Grube ist zu sehen, wie der Stollen den mittelalterlichen Pingenzug auf dem Castor-Gang unterfährt. Er verläuft dabei nicht gerade, sondern geschwungen. Dies ist typisch für handgetriebene Stollen, die sich noch stark an den verdrückten, natürlichen Gesteinsschichten und Erzgängen orientierten. Der Stollen dürfte somit spätestens im 16. Jahrhundert entstanden sein.

Im Zuge des industriellen Betriebs ab 1853 wurde die Halde vor dem Stollen einplaniert und bebaut. Hinter den heute noch erhaltenen Gebäuden entstand eine erste Aufbereitung. Diese wurde ab 1861 an den „Tiefen Stollen“ verlegt. Der „Obere Stollen“ wurde mit einer Förderbahn versehen, die vom Stollenmundloch aus talwärts verlief. Die heutige Teerstraße folgt weitgehend deren Trasse.

Auf einem Plan aus der Betriebsphase ist das nördliche, unmittelbar vor dem Stollen stehende Fachwerkgebäude, als „Aufseherwohnung“ bezeichnet. Es ist weitgehend original, mit Backsteinmauerwerk im Fachwerk, erhalten. Das mittlere Gebäude wird auf den alten Plänen als „Steigerwohnung“ bezeichnet. Dieses erscheint in seiner idyllischen Fachwerkbauweise heute noch sehr ursprünglich. Direkt daneben befand sich laut Plänen eine Schmiede, die allerdings nicht mehr erhalten ist.
Das dritte Fachwerkhaus im Süden existiert auf den älteren Plänen noch nicht. Es dürfte deshalb nicht vor dem Ende des 19.Jahrhunderts errichtet worden sein. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass es im Zusammenhang mit der späteren Nutzung des Oberen Stollens steht. Dieser wurde erst 1929 endgültig stillgelegt.

(Peter Schönfeld, BGV Rhein-Berg e.V., 2026 / überarbeitete Version des KuLaDig-Objekteintrags; Lea Recken / LVR-Abteilung Digitales Kulturerbe, 2026)


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