Zwischen Festungsmauern und Flusslandschaft
Eine Wanderung durch die Auenlandschaft an der Siegmündung
Eine Entdeckung von Samuel Dreßen
Was ihr entdecken könnt
Wo die Sieg in den Rhein mündet, treffen Natur, Geschichte und gelebte Tradition aufeinander. Die Wanderroute durch die Siegaue führt durch eine der bedeutendsten Auenlandschaften des Rheinlandes und eröffnet faszinierende Perspektiven auf die enge Verbindung von Mensch, Natur und Geschichte – vorbei an den Spuren der ehemaligen Inselfestung „Pfaffenmütz“ und zur Bergheimer Fischereibruderschaft mit ihrem Aalschokker „Maria Theresia“.
Die Route beginnt am Wanderparkplatz „Siegaue“ und führt zunächst in Richtung Kemper Werth – einer Halbinsel an der Mündung der Sieg in den Rhein. Heute wirkt die Landschaft ruhig und geordnet, doch bis ins 18. und 19. Jahrhundert verzweigte sich die Sieg hier in zahlreiche Arme und bildete Inseln. Erst durch mehrere Begradigungen erhielt der Fluss sein heutiges Erscheinungsbild.
Die Pfaffenmütz
Im Jahr 1620 errichteten niederländische Truppen auf dem Kemper Werth eine Festung, um die Schifffahrt auf dem Rhein kontrollieren zu können. Der Name „Pfaffenmütz“ verweist auf die damalige Form der Insel, die an die Kopfbedeckung katholischer Geistlicher erinnert haben soll.
Bereits 1622 wurde die Festung von spanischen Truppen belagert. Nach nur zwei Jahren kapitulierte die rund 3.000 Mann starke Besatzung, und die Anlage wurde 1624 endgültig aufgegeben. Heute sind kaum noch sichtbare Spuren dieses einstigen Militärstützpunkts erhalten.
An der Spitze der Halbinsel eröffnet sich ein weiter Blick auf Sieg und Rhein. Anschließend führt die Route entlang der Sieg zurück bis zur Gierseilfähre „Sankt Adelheid“. Mit ihr lässt sich als einzige Fähre über die Sieg auf die Bergheimer Uferseite übersetzen (beachtet die Öffnungszeiten!).
Dort beginnt der Weg durch das Naturschutzgebiet „Siegaue“, das zu den ökologisch wertvollsten Auenlandschaften des mittleren Rheintals zählt. Unterschiedliche Lebensräume wie Altarme, Feuchtwiesen und Auwälder bieten zahlreichen Tierarten einen Rückzugsraum. Besonders für Vogelbeobachtungen lohnt sich die Strecke: Mit etwas Geduld sieht man vielleicht einen „blauen Blitz“ durch die Aue schießen – den wegen seines schillernden Gefieders beliebten Eisvogel. Auch andere seltene Arten wie Pirol, Flussregenpfeifer oder Schwarzmilan leben an der Sieg.
Als nächstes trefft ihr auf einen Altarm des Flusses, die sogenannte „Oberste Fahr“. Diese müsst ihr derzeit auf der nordöstlichen Seite umgehen, da die Brücke seit mehreren Jahren nicht mehr begehbar ist. Den nächsten Altarm „Diescholl“ könnt ihr jedoch problemlos über eine kleine Holzbrücke passieren und erreicht den Mondorfer Hafen.
Traditionsfischerei an der Sieg
Den Abschluss der Route bildet das Bergheimer Fischereimuseum mit dem historischen Aalschokker „Maria Theresia“, der im Sieg-Altarm vor Anker liegt. Im Mittelpunkt steht die Fischereibruderschaft zu Bergheim an der Sieg, die eine über 1.000 Jahre alte Tradition der Flussfischerei pflegt. Damit zählt sie zu den ältesten noch bestehenden Bruderschaften Deutschlands. Über viele Generationen regelte sie nicht nur die Fischerei auf der Sieg, sondern auch Fragen des Zusammenlebens, der Rechte am Fluss und des nachhaltigen Umgangs mit den Fischbeständen. Der vor dem Museum liegende Aalschokker „Maria Theresia“ ist Zeugnis der historischen Fischereikultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese speziellen Fischerboote wurden vor allem zum Fang von Aal eingesetzt und waren mit großen Netzanlagen ausgestattet.
Die gemeinschaftlich organisierte Fischereitradition der Bergheimer Bruderschaft wurde 2016 als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkannt. Sie steht bis heute beispielhaft für die enge Verbindung zwischen Mensch, Fluss und Landschaft in der Siegaue.
Praktische Informationen
Die Wanderroute führt durch sensible Natur- und Landschaftsschutzgebiete der Siegaue. Bitte bleibe daher auf den ausgewiesenen Wegen und beachtet die örtliche Beschilderung. So schützt ihr seltene Tier- und Pflanzenarten sowie ihre Lebensräume. Vermeidet Lärm, lasst Tiere ungestört und nehmt euren Müll wieder mit, damit die Siegaue als wertvoller Naturraum erhalten bleibt.
Beachte auch, dass einzelne Wegeabschnitte – etwa durch Hochwasser, Bauarbeiten oder Naturschutzmaßnahmen – zeitweise gesperrt sein können. Für die Überfahrt mit der Gierseilfähre „Sankt Adelheid“ gelten die jeweiligen Betriebszeiten.
Infrastruktur
Wenn ihr mit dem Auto anreist, empfiehlt sich der Wanderparkplatz „Siegaue“ auf der Niederkasseler Straße (L269). Nutzende der öffentlichen Verkehrsmittel können vom Bonner Busbahnhof (ZOB) die Buslinie 551 oder von der Haltestelle „Thomas-Mann-Straße/Hbf“ die Buslinie 550 nehmen. Euer Ausstieg ist schließlich die Haltestelle „Siegaue, Bonn - Schwarzrheindorf“, direkt neben dem Wanderparkplatz.
Gastronomie
Auf der Route findet ihr mehrere gastronomische Angebote. Direkt zu Anfang findet ihr an der Gierseilfähre ein Restaurant mit Biergarten. Nach der Wanderung durch die Siegaue könnt ihr euch an der letzten Station der Route in einem Restaurant im Gebäude des Fischereimuseums stärken – mit fantastischem Blick auf den Aalschokker „Maria Theresia“.
Inklusive Infos
Die Wege entlang der Route sind teilweise schmal und uneben, Steigungen sind jedoch minimal. Abgesehen vom den Streckenabschnitten nahe der Landstraßen und gegenüber dem Graurheindorfer Hafen ist es meist ruhig.