Entlang des Niedergermanischen Limes
Radtour auf römischen Spuren
Eine Entdeckung von LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Was ihr entdecken könnt
Von Krefeld bis Monheim reist ihr entlang des Niedergermanischen Limes - einer Außengrenze des Römischen Reichs - und folgt den Spuren der römischen Geschichte im Rheinland. Dabei erkundet ihr die versteckten Fundplätze und die Museen, in denen die Fundstücke ausgestellt werden.
Am Niedergermanischen Limes befanden sich sowohl Militärlager als auch zivile Siedlungen - oft an Standorten, die zuvor von germanischen oder gallischen Gruppen bewohnt worden waren. Überall im Römischen Reich - so auch im Rheinland - war die Bevölkerung divers: Menschen aus dem gesamten Römischen Reich und darüber hinaus lebten in den Siedlungen zusammen und es gab eine bemerkenswerte religiöse Vielfalt.
Wir starten im heutigen Krefeld-Gellep, wo nach 69 nach Christus das Militärlager Gelduba im Rahmen der Niederschlagung des sogenannten Bataveraufstands errichtet wurde. Im Jahr danach entstanden um das Militärlager zivile Siedlungen. Ab der Mitte des 5. Jahrhunderts setzten sich die Franken gegen die römischen Truppen durch.
Ausgrabungen brachten zahlreiche Fundstücke zutage, die ihr im Museum Burg Linn findet. Ein Highlight ist das römische Lastenschiff, mit dem einst Waren auf dem Rhein transportiert wurden. Hier bietet sich außerdem ein kleiner Abstecher in die mittelalterliche Geschichte am Niederrhein an.
Weiter geht es in eine der ältesten Städte Deutschlands, nach Neuss. Schon 16 vor Christus entstand an der Mündung der Erft in den Rhein eine erste römische Befestigung. Aufgrund der strategisch günstigen Lage wurden hier mehrere Militärlager errichtet. Castrum Novaesium, von dem der Name Neuss stammt, war das größte und bestand von 43 bis 105 nach Christus. Fundstücke von verschiedenen Grabungen zeigt das Clemens-Sels-Museum.
Ein mysteriöser Ort ist die sogenannte Fossa Sanguinis, der „Blutgraben“, am Gepaplatz. Als der Keller 1956 entdeckt wurde, vermutete man, dass hier Taufrituale und Stieropferungen für die Göttin Kybele stattgefunden hätten. Die Fundstücke deuten jedoch auf eine Verehrung lokaler Gottheiten hin. In der Nähe des Neusser Sporthafens gibt euch der archäologische Pfad mit Nachbildungen von Fundstücken Einblicke in das Leben im Militärlager.
In Monheim haben sich die Überreste eines spätrömischen Kastells bis heute sichtbar erhalten. Es entstand im 4. Jahrhundert nach Christus als Teil der linksrheinisch gelegenen römischen Grenzbefestigung gegen fränkische Angriffe. Als sich die Römer in der Mitte des 5. Jahrhunderts zurückzogen, übernahmen die Franken das Kastell und bauten es erst zum Gutshof und dann zur Burg um. 1019 wurde Castrum in Burgela erstmals urkundlich erwähnt. Seit der Rheinverlagerung 1347 liegt Haus Bürgel rechtsrheinisch. Heute befindet sich hier unter anderem das Römische Museum mit Fundstücken der örtlichen Ausgrabungen und dem archäologischen Außenpfad.
Der Niedergermanische Limes: UNESCO-Welterbe von der Nordsee bis nach Rheinland-Pfalz
Vom heutigen Katwijk aan Zee in den Niederlanden bis nach Bad Breisig in Rheinland-Pfalz erstreckte sich entlang des Rheins eine 400 Kilometer lange Außengrenze des Römischen Reichs: Der Niedergermanische Limes hatte von 19 vor Christus bis ungefähr 430 nach Christus Bestand - mehr als 450 Jahre!
44 Fundplätze bilden das seit 2021 anerkannte UNESCO-Welterbe Niedergermanischer Limes. Die UNESCO erkennt menschengemachte und natürliche Stätten als Welterbe an, wenn sie einzigartige oder herausragende Bedeutung für die gesamte Menschheit haben.
24 der 44 im UNESCO-Welterbe Niedergermanischer Limes enthaltenen Fundplätze werden vom Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland betreut.
Praktische Informationen
Anreise und Öffnungszeiten
In der für die Entdeckung angegebenen Zeit sind die Besuche der Museen nicht miteingerechnet. Wenn ihr sie besuchen möchtet, bietet es sich an, die Tour in mehrere Etappen aufzuteilen. Die Entdeckung kann auch mit dem Auto erkundet werden. In der Nähe des Museums Burg Linn, des Clemens-Sels-Museums sowie bei Haus Bürgel gibt es Parkplätze. Diese sind jedoch begrenzt und können kostenpflichtig sein.
Im Umfeld des ersten Spots befinden sich die Bahnhöfe Linn (RB 33) und Krefeld-Oppum (RB 33, RB 35, RB 37, RE7, RE 10). Falls ihr euer Fahrrad in der Bahn mitnehmen möchtet, braucht ihr dafür ein Ticket. Vom Bahnhof Linn seid ihr mit dem Fahrrad knapp 20 Minuten bis zum ersten Spot unterwegs, von Krefeld-Oppum sind es etwa 25 Minuten mit dem Fahrrad.
Bitte beachtet die Öffnungszeiten der drei Museen, die sich auch ändern können. Mehr Informationen findet ihr auf den Webseiten des Museums Burg Linn, des Clemens-Sels-Museums und des Römischen Museums im Haus Bürgel.
Das Clemens-Sels-Museum informiert darüber hinaus auch über die Zugänglichkeit der Fossa Sanguinis. Der Eintritt ist hier frei (Stand Dezember 2025). Der Schlüssel zur Fossa Sanguinis liegt bei einer in der Nachbarschaft wohnenden Familie zur Abholung bereit, daher solltet ihr hier einige Tage vorher anrufen. Mehr Informationen dazu gibt es hier unter Archäologische Stätten.
Strecke und Ausrüstung
Der Großteil der Strecke führt über asphaltierte, teils vielbefahrene Straßen. Trotzdem empfehlen wir für die Radtour ein Reifenprofil, mit dem ihr auch Feldwege befahren könnt. Bitte haltet euch an die Straßenverkehrsordnung und passt aufeinander auf.
Auf dem Weg nach Haus Bürgel überquert ihr die Fleher Brücke, eine Autobahnbrücke mit Fuß- und Fahrradstreifen parallel zu den Fahrbahnen. Hier kann es extrem laut werden. Falls ihr hier Gehörschutz benötigt oder euch aus anderen Gründen auf dem Fahrrad unsicher fühlt, empfehlen wir euch, abzusteigen und die Brücke zu Fuß zu überqueren. Wenn ihr die Fleher Brücke nicht überqueren möchtet, könnt ihr über Uedesheim und Stürzelberg nach Zons weiterfahren. Dort findet ihr am Rheinufer den Fähranleger Zons-Urdenbach. Hier könnt ihr übersetzen und habt es dann auch nicht mehr weit bis Haus Bürgel. Die Fähre ist kostenpflichtig und die Fahrtzeiten ändern sich je nach Saison und Wetterverhältnissen. Mehr erfahrt ihr hier.
Falls ihr die Entdeckung zu Fuß abgehen möchtet, empfehlen wir festes Schuhwerk.
Ob mit dem Fahrrad oder zu Fuß - Sonnenschutz und etwas Proviant solltet ihr ebenfalls mitnehmen.
Gastronomie und Infrastruktur
Restaurants und Cafés findet ihr nahe des Museums Burg Linn in der Altstadt von Linn, einem Krefelder Stadtteil, in der Neusser Innenstadt sowie in Zons, das sich auf der Haus Bürgel gegenüberliegenden Rheinseite befindet.
Toiletten gibt es außerdem im Museum Burg Linn und im Clemens-Sels-Museum.
Falls ihr nach eurer Tour noch mehr spannende Geschichte(n) entdecken wollt, empfehlen wir euch die mittelalterliche Zonser Altstadt, zu der es bei uns auch eine Entdeckung gibt.
Inklusive Infos
Die Entdeckung ist nicht barrierefrei. Nähere Informationen im Folgenden:
Das Museum Burg Linn ist auf drei Gebäude aufgeteilt: Das Archäologische Museum in einem alten Bunker, das Jagdschloss sowie die Burg selbst. Da es sich hier um historische Infrastruktur handelt, gibt es an einigen Stellen Treppen zu überwinden. Der Weg zur Burg ist mit Kopfsteinen gepflastert, der Burginnenhof ist gekiest. In den großen Sälen der Burg kann es hallen. Einige der interaktiven Stationen in den Ausstellungen sind vom Rollstuhl aus nicht zugänglich.
Bei schönem Wetter, an Wochenenden und vor allem beim jährlich am Pfingstwochenende stattfindenden Flachsmarkt kann es sehr voll werden. Falls ihr Fragen habt, könnt ihr euch hier an das Museumsteam wenden.
Das Haupthaus des Clemens-Sels-Museums ist auch stufenlos zugänglich. Über den Aufzug gelangt ihr in die Dauerausstellungen zu Kunst- und Kulturgeschichte sowie in die Sonderausstellungen. Die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte im Obertor kann leider nur über eine Treppe erreicht werden. Im Museum können Rollstühle und mobile Sitzgelegenheiten ausgeliehen werden. Zudem gibt es auch Führungen in Leichter Sprache und für Menschen mit Demenz sowie weitere Angebote in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache. Hier könnt ihr euch an das Museumsteam wenden, wenn ihr Fragen habt.
Die Dauerausstellung im Römischen Museum in Haus Bürgel ist in acht Räumen des denkmalgeschützten Herrenhauses untergebracht. Es gibt hier leider keinen stufenlosen Zugang. Die Stufen der Außentreppe zur Ausstellung sind recht hoch und die Treppen im Herrenhaus schmal. Der archäologische Pfad um Haus Bürgel ist stufenfrei und mit grobem Naturstein gepflastert. Es werden Führungen in Deutscher Gebärdensprache durch das Römische Museum angeboten. Weitere Informationen dazu findet ihr hier. Wir bitten euch, während des Aufenthalts auf den laufenden landwirtschaftlichen Betrieb mit freilaufenden Hühnern und Pferden Rücksicht zu nehmen.