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Kunibertstürmchen der mittelalterlichen Stadtmauer


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Was ihr entdecken könnt

Der 1784 zerstörte Wachturm Ark, der 1891 abgerissene Kunibertsturm und das benachbarte (und bis heute erhaltene) Kunibertstürmchen gehörten einst zu einer Kölner Torburganlage des Mittelalters. Die Befestigungsbauwerke werden über die „Weckschnapp“-Sage immer wieder miteinander verwechselt.

Weckschnapp, Ark und Kunibertstürmchen – Drei Türme, eine Legende

Wer am Rheinufer das Kunibertstürmchen entdeckt, hört oft denselben Namen: Weckschnapp. Doch genau genommen stimmt das gar nicht.

Im Mittelalter befand sich hier eine mächtige Torburg der Kölner Stadtmauer. Zu ihr gehörten drei markante Bauwerke: der große Kunibertsturm, der Wachturm Ark und das deutlich kleinere Kunibertstürmchen, das bis heute erhalten ist.

Der Kunibertsturm bildete den nördlichen Eckturm der Stadtmauer und diente – wie viele Wehrtürme seiner Zeit – auch als Gefängnis. Die Ark ragte als massiver Wachturm teilweise in den Rhein hinein und wurde ebenfalls als Kerker genutzt. Nach der Zerstörung der Torburg im Jahr 1262 blieben beide Türme zunächst bestehen. Die Ark wurde jedoch bei der verheerenden Eis- und Hochwasserkatastrophe von 1784 zerstört, der Kunibertsturm schließlich 1891 abgerissen.

Nur das Kunibertstürmchen überstand die Jahrhunderte. Es wurde nach dem Abbruch der Stadtmauer restauriert und später sogar zu einem Wohnhaus umgebaut.

Die wahre Weckschnapp

Mit der berühmten Weckschnapp-Sage wird heute meist das Kunibertstürmchen verbunden – historisch ist das jedoch falsch.

Die Legende erzählt von Gefangenen, die nach einem aufgehängten Brot („Weck“) griffen und dabei durch eine Falltür in einen mit Messern versehenen Schacht stürzten, der direkt in den Rhein geführt haben soll. Nur ein völlig abgemagerter Häftling soll den tödlichen Fall überlebt haben.

Bereits der Kölner Schriftsteller Ernst Weyden hielt diese Geschichte 1826 fest – und ordnete sie ausdrücklich der Ark zu, nicht dem Kunibertstürmchen.

Dass heute dennoch viele Menschen das kleine Türmchen als „Weckschnapp“ kennen, liegt daran, dass der Name im Laufe der Zeit auf den einzig erhaltenen Turm der ehemaligen Befestigungsanlage überging – sogar in Karten und Stadtplänen.

Wenn du das Kunibertstürmchen besuchst, stehst du also nicht an der eigentlichen Weckschnapp, sondern am letzten erhaltenen Zeugen einer mittelalterlichen Torburg. Die echte Weckschnapp war höchstwahrscheinlich die längst verschwundene Ark – und genau deshalb hält sich die Verwechslung bis heute.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018/2022/überarbeitete Version des Eintrags zum Objekt in der Fachanwendung KuLaDig; Adrian Greiner/ LVR-Abteilung Digitales Kulturerbe, 2026)


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